Die Reise nach Moskau
Die Reise nach Moskau - oder 55 Jahre Mähdrusch (1952 - 2007)
Dr. sc. agr. Peter Feiffer, 268 Seiten
Hier erzählt der dienstälteste Mähdruschfachmann Deutschlands, Peter Feiffer, Dr. sc. agr., Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Erfurt ...
Sein Buch über die Reise nach Moskau ist keine Reisebeschreibung. In den Erzählungen des jungen Peter Feiffer wird für die Mitreisenden ein Stück landwirtschaftliche Zeitgeschichte in seinem Bördedorf sichtbar. Es ist ein sehr facettenreiches Zeitbild, wie es nur einer schildern kann, der dabei war, mit ganzem Herzen.
1934 in einer weit verzweigten Landwirtschaftsfamilie mit großen Besitzungen in Schlesien, Polen und Ostpreußen geboren, stellt er sich schon zeitig auf eigene Füße.
Als 13 jähriger steht er an einem kalten Novembertag am Briefeinwurf mit Messingklappe an der Hauptpost seiner Kreisstadt. Er wirft ein großes Kuvert ein. Drei kleine Fachbeiträge stecken in dem Umschlag – alle drei werden gedruckt. So wird er Volkskorrespondent ohne dass die Redakteure ahnen, wie alt er ist und verdient sein eigenes Geld.
Mit 16 gründete er das Kollektiv für Landtechnik und wird das jüngste Mitglied der „Kammer der Technik“. Der junge Peter Feiffer ist fasziniert von den Dreschmaschinen, auf den polnischen Gütern arbeiteten damals die Stahllanz, als 1952 die ersten russischen Mähdrescher „Stalinez“ in sein kleines Bördedorf kamen. Nun kann er endlich selbst eine solche Maschine bedienen, wenn auch zunächst nur als Beifahrer neben seinem Freund, dem Mähdrescherfahrer. Er will den Einsatz dieser Technik verbessern, aber es gibt keine Anleitungen und Dokumente. Noch glaubt er, dass diese in Russland zu finden sind, dort wo der Mähdrescher herkam. Mit Überzeugungskraft beredet er die Staatssekretärin im Landwirtschaftsministerium ihn nach Russland zu entsenden. Und plötzlich sitzt er im Sonderzug Wünsdorf – Moskau, in dem eine Regierungsdelegation nach Moskau reist. In einer Staatskarosse mit livriertem Fahrer erlebt er die unglaublichsten Sachen. Nur die erhofften Anleitungen und Erfahrungen zur Erntetechnik gibt es dort nicht. Dafür sah er vor 50 Jahren schon den Hochschnitt, der heute in Deutschland gerade in Mode kommt. Auf einem riesigen Schlag von 100.000 Hektar ernteten 1.000 Mähdrescher – generalstabsmäßig organisiert. Reparaturkommandos rollten hinter der Mähdrescherflotte her, es wurde im Fahren abgetankt und endlose LKW-Kolonnen transportierten das Getreide ab. Nach vier Tagen war der Schlag abgeerntet und das Stroh „kontrolliert“ abgebrannt. Wieder zurück in Deutschland beginnt er selbst eine Erntetechnologie zu erarbeiten und begründet damit das Wissensgebiet Mähdrusch auf dem er mit seiner Autorengruppe heute weltweit führend ist. Die Reise nach Moskau war der Beginn für das folgende Schaffen eines halben Jahrhunderts.